Mount Fuji besteigen - Der Berg der aufgehenden Sonne

Ein Narr auf der Suche nach Goraiko - oder: der Tag an dem wir den Mount Fuji besteigen

Ich kann nicht behaupten, man hätte mich nicht gewarnt. Bei der Vorbereitung meiner Mount Fuji Gipfeltour stieß ich auf Kommentare wie: "the most painful thing I've ever experienced".  Aber auch auf diesen: "als ich auf dem Gipfel angekommen war, weinte ich Freudentränen".

 

Wie auch immer, es scheint ein ziemlich extremes Erlebnis zu werden... In diesem Reisebericht nehme ich Dich mit auf eine besondere Trekking Tour: Hinauf auf den Gipfel des Mount Fuji.

 

Ich möchte meine Erfahrungen und Gedanken während dieser spannenden Tour mit Dir teilen. Gleichzeitig gibt es aber auch praktische Reisetipps, für den Fall, dass Du selbst auch den Mount Fuji besteigen möchtest. 

 

Doch legen wir gleich los. Den Mount Fuji besteigen in acht Akten: 

 

1. Anreise mit dem Zug von Tokio zum Mount Fuji

2. Mount Fuji besteigen: Hinauf zur Achten Bergstation

3. Sauerstoff ist ein knappes Gut

4. Wie die Fischstäbchen: Übernachtung in der Berghütte

 

5. Übung in Fernöstlicher Gelassenheit

6. Mount FujiDer nächste Ausbruch ist längst überfällig

7. Unser erster Goraiko am Mount Fuji

8. Nenn' mich einen Narren...

 

Lust bekommen, selbst den Mount Fuji zu besteigen? Links für Deine Planung

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Mount Fuji besteigen Reisebericht

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Mount Fuji besteigen  Reisetipps


Mount Fuji besteigen Reiseblog
Mount Fuji besteigen Blog

 

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Mount Fuji besteigen Insidertipps

 

Hier findest Du alle meine aktuellen

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1. Anreise mit dem Zug von Tokio zum Mount Fuji

 

Unsere kleine Reisegruppe macht sich auf den Weg. Von Tokio aus geht es mit dem Zug in zweieinhalb Stunden nach Gotemba, in der Nähe des Fujiyama. Schon aus der Ferne sehen wir den heiligen Berg majestätisch aus der Ebene ragen. Allerdings wirkt er im Sommer ohne seine weiße Schneemütze weniger fotogen als auf den Fotos in Reiseführern. Von den vier möglichen Routen wählen wir die leichteste und beliebteste, den Yoshida Trail. 

 

Wir fahren mit dem Bus hinauf zur 5. von insgesamt neun Bergstationen. Ich bin enttäuscht und irritiert. Enttäuscht, weil wir, wie die Pauschaltouristen, die ersten vier Stationen mit Motorkraft überwinden (ich sollte diese Entscheidung im Laufe der Tour noch schätzen lernen). Irritiert, weil unser Reiseführer immer vom Fuji-san spricht, wollen wir doch eigentlich den Fujijama bzw. den Mount Fuji besteigen.

 

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Mount Fuji aus der Entfernung vom Parkplatz

 

Unser Guide erklärt uns, dass der Name Fujiyama in den westlichen Sprachen auf einem Übersetzungsfehler beruht. Und irgend etwas mit den Kanji Schriftzeichen und der Frage, ob ein Wort aus einem oder mehreren Zeichen zusammengesetzt wird, zu tun hat. Die Japanologen streiten noch heute darüber, und dass das "yama" Zeichen im Japanischen ebenfalls für den Begriff Berg verwendet wird, macht die Diskussion nicht einfacher. Wie auch immer, wir entscheiden uns für das politisch korrekte Fuji-san (in diesem Reisebericht benutze ich der Einfachheit halber dennoch meist den bei uns geläufigen Begriff Fujiyama oder das englische Mount Fuji).

 

Auf dem Busbahnhof der 5. Bergstation befinden wir uns bereits auf 2.300 Metern Höhe, also nur noch knapp 1.500 Höhenmeter bis zum 3.776 Meter hohen Gipfel. Mehr nicht? Und was machen wir am Nachmittag? Noch eine Enttäuschung: Unsere kleine Wandertruppe scheint nicht die einzige zu sein, die heute den Gipfel des Mount Fuji besteigen will. Busladungen von japanischen und ausländischen Wanderern tummeln sich bereits auf dem Parkplatz und posieren für ein Gruppenfoto. Es herrscht eine Stimmung wie vor dem Stadion eines wichtigen Bundesligaspiels.

 

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Gruppenfoto vor dem Mount Fuji vor dem Aufstieg

Hotels am Fuß des Mount Fuji

 

Hotels und andere Unterkünfte am Fuß des Mount Fuji sind nicht günstig und besonders im Frühling und Sommer immer schnell ausgebucht.  Besonders gefallen haben mir diese Mount Fuji Hotels: 

 

Preis & Leistung: Resort Hotel mit wunderschönem Garten und Blick auf den Mount Fuji: ᐅᐅᐅ Villa Resort Yumefuji


Klein & Praktisch:   Sehr schöne, einfache Unterkunft mit Gemeinschaftsbad und Terrasseᐅᐅᐅ Guest House Mount Fuji Kikusui


Günstig & Sauber: Hostel mit Gemeinschaftszimmer im Ryokan

Stil in Fujikawaguchiko, tolle Aussicht auf den MountFuji: ᐅᐅᐅ K's House Fuji View


Tradition & Ambiente: Wunderschönes traditionelles Ryokan im japanischen Stil: ᐅᐅᐅ Ryokan Rakuyu

 

Ich nutze für meine Reiseplanung fast ausschließlich die Hotelbuchungsseite von  ᐅᐅᐅ booking.com, dem größten und nach meiner Erfahrung besten Buchungsportal.  Details und Preise der oben bereits genannten Unterkünfte bekommst Du beim Klick auf den blau unterlegten Link.

 

Die folgende Karte gibt Dir einen ersten Überblick über das Preisniveau der Hotels. Zum zoomen kannst Du auch direkt in die Karte klicken:

 

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2. Mount Fuji besteigen: Hinauf zur Achten Bergstation

 

An der 5. Bergstation gibt Souvenirshops, Restaurants und natürlich die in Japan unvermeidlichen bunten Automaten, an welchen Du Dich mit Getränken und Snacks eindecken kannst. Wir sind natürlich bereits perfekt vorbereitet und ich teile gerne unsere  zum "Mount Fuji besteigen Packliste" mit Dir:  T-Shirts, Pullover und Jacken nach dem Zwiebelprinzip, knöchelhohe Wanderschuhe, Regenschutz, Sonnenschutz, Stirnlampe (ganz wichtig!), Wasser, Snacks (am besten Energieriegel) und ein Kuli für die Postkarte auf dem Gipfel (angeblich gibt es dort oben das höchstgelegene Postamt der Welt).

 

Unser Guide nötigt uns jedoch, in einem der Läden noch Skimützen und Handschuhe zu kaufen. Es ist ein sonniger Augusttag, ca. 25 Grad. Wir haben den Verdacht, dass unser Guide einen Deal mit dem Ladenbesitzer geschlossen hat und eine üppige Provision einstreicht. Widerwillig beugen wir uns seinem Wunsch und kaufen die empfohlene Winterausrüstung. Ich werde ihm bis an mein Lebensende dankbar sein! Wir machen uns auf den Weg hinauf auf den Mount Fuji. Es ist später Nachmittag, alle sind guter Stimmung (Spoiler: das wird sich ändern).

 

Unser "Mount Fuji besteigen Tagesplan": In ca. fünf Stunden wollen wir bis zum Sonnenuntergang den Aufstieg zur achten Station auf 3.100 Meter schaffen. Dort haben wir unsere Übernachtung in einer der Berghütten reserviert. Nach einer kurzen Nachtruhe wollen wir gegen zwei Uhr wieder aufbrechen, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Mount Fuji zu sein.

 

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Travel Bloke Tipp: Der Gesamtaufstieg von der 5. Station des Fujiyama dauert je nach Kondition sechs bis acht Stunden. Es ist daher natürlich möglich, diese Tour auch an einem Tag bzw. als Nachtwanderung ohne Übernachtung zu bewältigen.  

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Joey Kelly würde wahrscheinlich diese kurze Variante wählen. Allen Normalsterblichen sei jedoch beim Mount Fuji besteigen eine Übernachtung empfohlen, schon um dem Körper etwas Zeit zur Anpassung an die Höhenluft zu geben. Nachdem wir an einer kleinen Zahlstation die obligatorischen ¥1000 Spende hinterlassen haben, windet sich der Weg in langgestreckten Serpentinen hinauf auf den Mount Fuji.

 

Es ist ein relativ flacher Anstieg über Sand und Lavageröll. Teilweise sind jedoch hohe Stufen in die Steine geschlagen. Die als Geländer dienenden Ketten erleichtern die Balance. Einige japanischen Wanderer haben sich in einem der Läden einen einfachen Wanderstab aus Holz gekauft. An jeder der Bergstationen gibt es die Gelegenheit, eine Verzierung mit der jeweiligen Höhenangabe in den Holzstock einbrennen zu lassen. Die Höhenstationen am Mount Fuji bieten ebenfalls die Gelegenheit, sich mit Getränken und Proviant zu versorgen.

 

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Aufstieg auf den Mount Fuji über Lavageröll

3. Mount Fuji besteigen: Sauerstoff ist ein knappes Gut

 

Wir haben unsere Verpflegung in Form von Energieriegeln, Keksen und Wasser bereits in Tokio gekauft. Was klug war, denn die an den Verkaufsbuden am Fujiyama ausgeschriebenen Preise für Wasser steigen direkt proportional mit den Höhenmetern. Apropos Höhenmeter, mein Tipp für Dich: Kaufe kein Wasser mit Kohlensäure, sonst entweicht die auf Meeresniveau abgefüllte Flüssigkeit beim Öffnen als unerwünschte Fontaine. Ich spreche aus Erfahrung.

 

Jeder gläubige Moslem soll einmal im Leben Mekka besuchen. Und jeder Deutsche das Oktoberfest in München besuchen. Jeder Anhänger des Shintoismus hingegen soll einmal den Mount Fuji besteigen. Weshalb sie dies alle genau heute tun, bleibt ungeklärt.

 

Travel Bloke Tipp: Jedes Jahr steigen ca. 250.000 Japaner auf den heiligen Berg, zwei Drittel davon über den beliebten Yoshida Trail. Der Aufstieg ist nur im Sommer, das heißt vom 1. Juli bis zum 10. September möglich. Wenn Du zeitlich flexibel bist, wähle für Deinen Aufstieg zum Fujiyama am besten einen Termin außerhalb der Sommerferien (ca. 20. Juli bis Ende August) und meide besonders die Woche des Obon Festes (11.-16. August) sowie natürlich auch die Wochenenden. 

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Aufstieg auf den Mount Fuji über Stufen und mit Geländer

 

Langsam wird es kühler. Nach und nach wechseln Sweatshirts und Jacken aus dem Rucksack an den Oberkörper und die praktischen Zip-on-Hosenteile an die bereits verstaubten und- schwitzten Unterschenkel. Die Luft am Mount Fuji wird dünner. Es wird stiller. Die angeregten Unterhaltungen unserer kleinen Reisegruppe sind längst verstummt. Sauerstoff ist ein knappes Gut. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach (zum Beispiel, den nächsten Urlaub in einem All-Inclusive Club mit Poolbar auf Teneriffa zu verbringen) und konzentriert sich darauf, das vor ihm liegende Geröll so zu umgehen, dass die Füße möglichst wenig angehoben werden müssen.

 

Immer weiter winden sich die Serpentinen den Berg hinauf. Hinter jeder 180-Grad Wendung die Hoffnung, am Ende des Weges die ersehnte Berghütte zu erblicken. Am Wegesrand liegen erschöpfte Wanderer, die den Strapazen beim Mount Fuji besteigen nicht mehr gewachsen waren. Über uns kreisen Aasgeier. Verblichene Skelettknochen schimmern in der untergehenden Sonne. Oder sind dies nur durch die Höhenluft ausgelöste Halluzinationen?

 

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Aufstieg auf den Mount Fuji in langen Serpentinen

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Mount Fuji Reiseführer Empfehlung

 

Diese Mount Fuji Reiseführer haben mir besonders gut gefallen: Meine Mount Fuji Reiseführer Empfehlungen für Deine Inspiration und Planung. 

 



4. Wie die Fischstäbchen: Übernachtung in der Berghütte am Mount Fuji

 

Die nächste Serpentine, die nächste 180-Grad Kurve. Ist es eine Fata Morgana oder erstreckt sich vor uns die achte Fujiyama  Bergstation mit einem bequemen Bett und einem leckeren Abendessen? Weder noch. Zwar haben wir tatsächlich die achte Bergstation und unsere Unterkunft für die Nacht erreicht. Das bequeme Bett und das leckere Abendessen bleiben jedoch eine Luftspiegelung. Wir schleppen unsere verstaubten Körper in das große Holzhaus.

 

Travel Bloke Tipp: Unsere Berghütte liegt auf 3.100 Meter Höhe, die Kosten für eine Übernachtung liegen bei ca. ¥5000, oder ¥7000 incl. Dinner. Ich empfehle Dir, die Übernachtung im Voraus zu buchen, wenn Du keinen Wert darauf legt, beim Mount Fuji besteigen die Nacht bibbernd auf einer Holzbank zu verbringen.  

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Blick vom Mount Fuji hinunter ins Tal

 

Die Herberge hat mehrere Etagen, die alle an einen geräumigen Dachboden erinnern. Auf den einfachen Bretterböden liegen aneinandergereihte Futon Matratzen, auf welchen sich bereits viele müde Wanderer in ihre Schlafsäcke gerollt haben. Wir setzen uns aber zuerst im Schneidersitz an den langen, niedrigen Tisch im Erdgeschoss, wo unser Abendessen bereits auf uns wartet. Normalerweise ein Freund der gesunden japanischen Küche, hoffe ich nach den Strapazen der letzten Stunden auf eine saftige Currywurst mit Pommes. Meine Hoffnung wird nur teilweise erfüllt. In einer Plastikbox mit praktischen Fächern finde ich immerhin tatsächlich so etwas wie ein Würstchen. 

 

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Dinner mit Würstchen in der Berghütte

 

Nachdem wir unser Essen hungrig herunter geschlungen haben, wird unserer kleinen Reisegruppe ein offener Schlafbereich im dritten Stock zugewiesen. Schlafsack, Kissen und Laken werden von der Herberge gestellt. Es bleibt noch Zeit für eine kurze Katzenwäsche, draußen an einer großen Plastiktonne. Aus einem braunen Rohr tropft etwas Wasser. Körperhygiene wird ohnehin überbewertet. Mittlerweile ist es auf dem Mount Fuji empfindlich kalt. Zurück ins Haus.

 

Wir schlüpfen in unsere Schlafsäcke. Noch ein paar Witze darüber, wie wir, nebeneinander aufgereiht wie die Fischstäbchen in der Pfanne, in unseren Säcken auf dem Holzboden liegen. Schnell schlafe ich ein und abgesehen von einem rhythmischen Schnarchen, das aus verschiedenen Winkeln des Dachbodens durch die Nacht hallt, genieße ich die Ruhe und die Dunkelheit. Für gefühlte fünf Minuten.

 

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Nachtruhe auf dem Futon - nebeneinander wie die Fischstäbchen in der Bratpfanne

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5. Übung in Fernöstlicher Gelassenheit am Mount Fuji

 

Plötzlich geht das Licht in unserem Schlafsaal an. Wir werden vom Herbergsvater unsanft aus dem Schlaf gerissen. Ich brauche einige Augenblicke, bis ich realisiere, wo ich bin. Meine Uhr zeigt halb zwei Uhr früh. Überall schälen sich verstörte Menschen schlaftrunken aus ihren Schlafsäcken und ziehen sich hastig an. Fünf Minuten später steht unsere kleine Reisegruppe vor der Mount Fuji Berghütte. Ich hoffe jedenfalls, dass dies meine Gruppe ist, denn wir unterscheiden uns nicht von den vielen japanischen Wanderern, die auch alle in dicke Jacken, Schals, Skimützen und Handschuhe gehüllt sind.

 

Es ist stockdunkel, und wenn man ein Thermometer sehen könnte, wäre seine Quecksilbersäule sehr kurz. Einen Moment hoffe ich noch auf eine heiße Tasse Kaffee, doch unser Guide drängt zum Aufbruch. Er ist entweder Masochist oder einfach nur sehr professionell und plaudert gut gelaunt auf uns ein. Nur noch 600 Höhenmeter seien beim Mount Fuji besteigen zu überwinden. Und pünktlich zum Sonnenaufgang würden wir den Gipfel erreichen. Wir machen uns auf den Weg, der sich weiter in Serpentinen den Mount Fuji hinauf windet.

 

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Weckruf am Mount Fuji durch den Herbergsvater

 

Die einheimischen Wanderer, geübt in fernöstlicher Gelassenheit, bewegen sich kräftesparend in Zeitlupe vorwärts. Einer hinter dem anderen, schlängelt sich die Prozession der Wanderer wie ein Lindwurm den Mount Fuji hinauf. Zum Überholen ist der Grat zu schmal. Eine harte Geduldsprobe für uns westliche Powerwalker. Wir reihen uns widerwillig in die Prozession ein. Aber es ist eine gute Vorbereitung auf den nächsten Stau in der morgendlichen Rushhour auf der A40.

 

Unser Reiseleiter bleibt im Plaudermodus und redet entschlossen gegen die mürrische Schweigsamkeit seiner Reisegruppe an. Im Jahr 2013, so erfahren wir, wurde der Fuji in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen, interessanterweise jedoch nicht als Natur- sondern als Kulturerbe. Als heiliger, spiritueller Ort und Quelle künstlerischer Inspiration, wie es in der Begründung heißt. Denn seit vielen Jahrhunderten wird der Fuji-san in unzähligen Gedichten, auf Tuschezeichnungen und Holzschnitten verehrt.

 

Der Weg wird steiler, teilweise kraxeln wir in der Dunkelheit auf allen Vieren über das Lavagestein des Fujiyama. Die Skihandschuhe sind beim Mount Fuji besteigen sehr hilfreich. Es ist neblig, wir wandern durch die Wolken. Es wird immer schwerer, die Lungenflügel mit der dünnen Luft zu füllen. Mein Atem kondensiert vor dem Mund.

 

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Wichtiges Utensil beim Mount Fuji besteigen: Die Stirnlampe

6. Mount Fuji - Der nächste Ausbruch ist längst überfällig

 

Einige einheimische Wanderer haben sich im Laden an der Fujiyama Basisstation für ¥1.200 mit Dosensauerstoff eingedeckt. Kein Scherz. Die handlichen Dosen sehen ungefähr so aus, wie diese schrillen kleinen Sirenen, die man im Fußballstadion sieht. Anstelle des kleinen Megafontrichters gibt es ein Mundstück, durch das man das kostbare Gas inhaliert. Unser Führer geht unverdrossen seiner Informationspflicht nach: Geologisch gesehen sei der Mount Fuji ein Stratovulkan, der im Jahr 1707 das letzte Mal ausgebrochen ist. Der nächste Ausbruch sei also bereits längst überfällig.

 

 

Ich unterdrücke eine Stimme, die tief in mir flüstert: Bitte lasse den Fujiyama jetzt ausbrechen, damit diese Strapazen endlich vorbei sind. Den Drang unserer westlichen Zivilisation, hektisch und forschen Schrittes beim Mount Fuji besteigen nach vorne zu stürmen, haben wir längst aufgegeben. Wir werden eins mit dem schleichenden Lindwurm japanischer Wanderer. Langsam gehen. Kräfte sparen. Luft sparen. Es hat etwas Meditatives.

 

Einen Schritt nach dem anderen. Einen Fuß vor den anderen. Der Weg ist das Ziel. Der Geist löst sich vom Körper und schwebt befreit über der Szene. Unser Reiseleiter, ein studierter Japanologe, zitiert Kobayashi Issa, einen berühmten Poeten aus dem 18. Jahrhundert.

 

Kobayashi Issa: „Katatsumuri, sorosoro nobore, fuji-no yama“ - „Die kleine Schnecke, ganz langsam steigt sie hinauf, auf den Berg Fuji“. 

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Noch lacht er - An der 8. Bergstation auf 3100 Meter

 

Der Nebel lichtet sich. Wir sind jetzt oberhalb der den Fujiyama einhüllenden Wolken. Über uns erleuchten die Sterne der Milchstraße die schwarze Nacht. Aus der Dunkelheit zeichnet sich die Silhouette eines Holzgebäudes ab. Wir haben den Gipfel erreicht. Plötzlich ist es sehr windig. Der Wind schneidet sich beißend in unsere Gesichter, jedenfalls dort, wo sie noch nicht von Schals und Skimützen verdeckt sind.

 

Die Temperatur liegt zwar knapp über dem Gefrierpunkt, der Windchill lässt sie gefühlt jedoch um einiges sinken. Das Gebäude auf dem Gipfel des Mount Fuji erweist sich als einfacher Holzschuppen mit langen, in dichten Reihen stehenden, niedrigen Bänken - auf die wir uns dankbar und erschöpft niederlassen.

 

Auf dem Boden stehen Teller mit glühenden, heißen Kohlen. Eine junge Japanerin reicht lächelnd ein Tablett mit Plastikbechern herum. Aus den Bechern strömt der Duft heißen, köstlichen Tees. Ein Backpacker mit skandinavischem Akzent zieht einen Flachmann aus der Jackentasche und würzt seinen Tee nach. Dieses Utensil fehlte leider auf unserer "Mount Fuji besteigen Packliste". Wir schieben unsere Füße näher an die Kohlen heran. Einige japanische Wanderer zücken ihre Handys. Unglaublich - oder eigentlich auch wieder nicht, schließlich sind wir in Japan - es gibt Empfang auf dem Fujiyama. Allerdings nur, wenn man daran gedacht hat, sich im Shop an der 5. Station einen Login zu kaufen. Als "Analog-Native" kann ich das verkraften. Instagram muss auf das Foto meiner Füße im Kohlenteller noch etwas warten.

 

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Füße aufwärmen am Holzkohleteller


7. Unser erster Goraiko am Mount Fuji

 

Die Kohlen und der Tee verbreiten eine wohltuende Wärme. Ich spüre meine Zehen wieder. Es ist halb fünf. Unser Reiseleiter drängt wieder zum Aufbruch. Gleich geht die Sonne am Fujiyama auf. Das wollen wir natürlich nicht verpassen. Und wir haben Glück. Die Wolken hängen jetzt tiefer im Tal, darüber ist es klar. Unter den Wolken zeichnet sich bereits das Morgenrot als bizarrer Leuchtstreifen ab. Die meisten Nachtwanderer haben mittlerweile den Gipfel des Mount Fuji erreicht. Die Aussichtsplattform in Richtung Osten füllt sich.

 

Und dann ist es wie so oft im Leben: Der lange erwartete Höhepunkt ist in wenigen Augenblicken vorbei. Innerhalb von ein paar Minuten durchdringt die Sonne die Wolken und malt für kurze Zeit ein Bergpanorama aus rosaroter Zuckerwatte. Ganz schnell wechselt das Farbspektrum dann von Rot in goldgelb, bis die Sonne hell am blauen Himmel steht. Guten Morgen. Wir sind zurück in der Realität. Von unserem Guide erfahren wir, dass es im Japanischen sogar ein eigenes Wort, speziell für den Sonnenaufgang auf dem Fuji gibt: 

 

Goraiko (ご来光). : Das Schriftzeichen wird synonym auch verwendet für die Beschreibung einer Emotion, die übersetzt ins Deutsche nur sehr ungenau mit "das überwältigende Gefühl der meditativen Erfahrung beim Anblick der aufgehende Sonne" beschrieben werden kann. Sie sind sehr weise, die Japaner. Und überaus poetisch.. 

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Mein erster Goraiko am Mount Fuji

 

Wenn Du durch die Sonne genug Kraft getankt hast, kannst Du Dich jetzt noch auf den Weg zur Fujiyama Kraterumrundung machen, die ungefähr eine Stunde dauert. Wir machen es aber wie die meisten und begnügen uns mit einem Blick hinab in den Kraterschlund. Schließlich steht uns noch der Abstieg bevor. Dieser ist zwar deutlich weniger anstrengend als der Aufstieg, er geht aber im wahrsten Sinne des Wortes in die Knie. Der Weg selbst ist relativ unspektakulär und windet sich in genau 106 Serpentinen kontinuierlich den Berg hinab. Die Sonne steigt schnell immer höher. Nach dem umgekehrten Zwiebelprinzip entledigen wir uns nach und nach wieder unserer Handschuhe, Mützen, Schals und Jacken.

 

Für den Abstieg kannst Du zwei Drittel der Zeit des Aufstiegs einplanen. Doch wie ein Pferd, das bereits den Futtertrog riecht, werden unsere Schritte immer schneller. Die Füße rutschen über die losen Lavasteine, die Zehen stoßen bei jedem Schritt vorne an die Schuhe. Doch Müdigkeit, Hunger und Muskelkater werden vom Adrenalin, das noch von den morgendlichen Erlebnissen durch unsere Adern flutet, unterdrückt. Und so erreichen wir in der Rekordzeit von drei Stunden unsere Basisstation am Mount Fuji.

 

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Abstieg vom Mount Fuji zurück ins Tal


8. Mount Fuji besteigen - Nenn' mich einen Narren...

 

Wir fühlen uns wie eine Gruppe Entdecker, die am selben Tag den Südpol erreicht, die Sahara durchquert und die Nilquelle gefunden hat. Adrenalin ist ein sehr nützliches Hormon. Die Gastronomie der Basisstation am Fujiyama ist zum Glück auf Helden wie uns vorbereitet. Es dauert nicht lange, bis wir die Bezwingung des Fuji-san mit einem üppigen Mahl feiern können. Nie wieder hat mir roher Fisch und Reis zum Frühstück so gut geschmeckt wie an diesem Morgen. Unser Reiseleiter zitiert zum Abschluss ein altes japanisches Sprichwort:

 

Altes Japanisches Sprichwort: "Katsute fujisan o noboru kare ga ni-do noboru bakadearu kare kashikoi otokodesu": Derjenige, der den Mount Fuji einmal besteigt, ist ein weiser Mann, derjenige jedoch, der ihn zweimal besteigt, ist ein Narr". 

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Doch nennt mich einen Narren: Ich würde es wieder tun. Die Erfahrung des Goraiko - in seiner doppelten Bedeutung als Sonnenaufgang und als Emotion - hat mich für die erlittenen Strapazen mehr als entschädigt.

 

 

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So seh'n Sieger aus - Nach dem Fuji besteigen zurück an der 5. Bergstation

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1. Japan Flüge

 

 

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2. Japan Transfers 

 

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4. Japan Rundreisen

 

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5. Welche Kreditkarte für Deine Japan Reise?

 

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6. Welche Reiseversicherung für Deine Japan Reise?

 

Es gibt ja viele verschiedene Reiseversicherungen - und nicht alle machen Sinn. Ich habe auf meinen Reisen immer eine Reisekrankenversicherung und meistens eine Reiserücktrittsversicherung "im Gepäck". Ausführliche Infos dazu in meinem Blog Artikel lll Reiseversicherungen. Wenn Du eine gute Reiseversicherung suchst, empfehle ich Dir die  ᐅᐅᐅ Barmenia Direkt Versicherung, dort kannst Du Dir nach dem Bausteinprinzip das für Dich passende Versicherungspaket besonders günstig zusammenstellen.

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Dein Kommentar: Fragen, Anmerkungen, Empfehlungen zu Mount Fuji besteigen

 

Du hast Fragen zu meinen Reisebericht "Mount Fuji besteigen"? Oder Du warst auch schon mal dort? Was sind Deine Erfahrungen und Empfehlungen? Ich freue mich über Deine Ergänzungen aber auch über Fragen und andere Anmerkungen. 

 

Kommentare: 6
  • #6

    Andreas (Montag, 13 November 2017 19:34)

    Hallo Barbara, das freut mich sehr, dass Dich mein Bericht inspirieren konnte. Ich drücke die Daumen, dass Du Deinen Wunsch der Japanreise dann bald in die Tat umsetzen kannst. Ein wirklich faszinierendes Land!

  • #5

    Barbara (Sonntag, 12 November 2017 14:44)

    Hallo Andreas, Japan steht schon lange auf meiner Reise-Wunschliste. Da hat mich Deine wunderbare Bergsteigerreportage wieder mal richtig inspiriert ...

  • #4

    Andreas (Donnerstag, 17 August 2017 08:03)

    Hallo Yandra, das freut mich sehr, dass Dir mein Bericht gefallen hat, vielen Dank! Ich hoffe, Deinem Freund macht die Tour auf den Fuji genauso viel Spass wie mir. Würde mich interessieren, wie es ihm gefallen hat.

  • #3

    Yandra (Mittwoch, 16 August 2017 23:10)

    Hey, nur zufällig bin ich auf deinen Reisebericht gestoßen, weil ein Freund von mir gerade auf dem Fuji unterwegs ist - und ich möchte dir ein großes Kompliment für deinen unterhaltsamen Text machen! Wirklich schön geschrieben, vielen Dank ! :)

    Yandra

  • #2

    Andreas (Donnerstag, 13 Juli 2017 00:11)

    Hallo Hannah, das hat mir auch besonders gefallen, ein kleines Wort für ein großes Gefühl... :-)

  • #1

    Hannah (Montag, 26 Juni 2017 12:34)

    Woow, vor dem Frühstück einen Gipfel besteigen, das klingt beeindruckend! :D
    Ich finde es total schön, dass die Japaner ein eigenes Wort für "das überwältigende Gefühl der meditativen Erfahrung beim Anblick der aufgehende Sonne" haben - ich kenne dieses Gefühl auch (und liebe es!), Goraiko werde ich mir unbedingt merken.