Bali - Tanz auf dem Vulkan

Mount Batur - Meine Trekking Tipps

Der Mount Batur oder, wie er von den Einheimischen genannt wird, der "Gunung Batur" ist einer der heiligen Berge der balinesischen Hindus. Der heute noch aktive 1.717 Meter hohe Vulkan liegt im Norden der Insel. Der letzte Ausbruch des Vulkans war im Jahr 2000, hat damals aber wohl keine größeren Schäden angerichtet. Es gibt verschiedene Routen, den Berg zu erklimmen. Der Aufstieg ist je nach gewählter Route und Kondition in zwei bis drei Stunden machbar. Da die meisten Besucher versuchen, den Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu erleben, ist eine Besteigung des Bergs in der Regel mit einem sehr frühen Tagesbeginn verbunden.

Mit oder ohne Bergführer?

Ich empfehle auf jeden Fall, die Tour mit einem Bergführer zu unternehmen. Theoretisch ist es möglich, auch ohne Begleitung auf den Gunung Batur zu steigen. In der Dunkelheit und aufgrund der schlechten bzw. oft ganz fehlenden Beschilderung kann dies aber sehr umständlich und auch gefährlich sein, wenn man vom Weg abkommt. Die Einheimischen erzählen auch gerne von den Unfällen, die unbegleitete Touristen hatten und sagen, dass es mittlerweile verboten ist, den Berg ohne einheimischen Guide zu besteigen. Diese Geschichten können aber natürlich auch nur zur Unterstützung der lokalen touristischen Infrastrukturbeitragen erfunden sein. Auch gibt es Erzählungen von zerstochenen Fahrzeugreifen auf dem Parkplatz am Fuße des Berges, wenn diese Touristen gehörten. Wenn Ihr Euch also für eine gebuchte Tour mit Guide entscheidet, lohnt etwas Recherche, die Qualität der Anbieter ist sehr unterschiedlich. Wir hatten unsere Tour bereits vorab in Deutschland gebucht. Wenn Ihr Euch erst vor Ort entscheidet, lohnt auch ein Preisvergleich und eine Vorabklärung, welche Leistungen im Paket enthalten sind (Frühstück? Wasser? Stirnlampe? Transfer ab wo? Ist der Guide privat oder stoßen noch andere Touristen hinzu?) Generell rangieren die Preise zwischen 200.000 und 800.000 Rupien (ca. 15 - 60 EUR). Wir waren sehr zufrieden mit unserem Guide, und er hat sich am Ende der Tour über ein Trinkgeld von ca. EUR 5 sehr gefreut.

Ausrüstung: Was gehört in den Rucksack?

Es ist auf dem Gipfel ziemlich kühl, bevor die Sonne Morgen aufgeht. Eine lange Hose, eine Jacke oder ein bequemer Pullover ist daher angebracht. Am besten so, dass man immer mal schnell nach dem Zwiebelprinzip zwischen den Kleidungsstücken wechseln kann, wenn es notwendig ist. Da wir keine passionierten Wanderer sind, und der Mount Batur das einzige Trekking unserer Bali Reise war, hatte ich aus Platzgründen nur gute, bequeme Turnschuhe dabei, was ok war. Komfortabler ist es natürlich, besonders beim Abstieg, gute Wanderschuhe mit ausreichend Profil und Knöchelschutz zu haben. Besonders Urlauber, die planen, noch andere Berge während ihres Indonesien Urlaubs zu erklimmen, sollten hierfür Platz im Gepäck schaffen. Fragt bei der Buchung Eurer Tour, ob Taschenlampen oder besser noch Stirnlampen im Preis enthalten sind. Ist dies nicht der Fall, gehören diese auf jeden Fall ins Handgepäck. Ebenso sollte im Vorfeld abgeklärt werden ob / welches Essen und Trinken im Paket enthalten ist. Dies ist bei den verschiedenen Anbietern sehr unterschiedlich und entsprechend solltet Ihr gegebenenfalls privat für zusätzlich Proviant sorgen. Was ich beim nächsten Mal auf jeden Fall einpacken würde, ist eine Kamera mit kleinem Stativ, mit der es möglich ist, den atemberaubenden Sternenhimmel der Milchstraße als Erinnerung festzuhalten. Was man schnell mal vergisst, wenn die Tour mitten in der Nacht beginnt, ist Sonnenschutz. Nach Sonnenaufgang ist dieser jedoch wie überall auf Bali unerlässlich.

Wo übernachten?

Aufgrund des frühen Starts der Trekking Tour solltet Ihr überlegen, wo Ihr die Nacht vor dem Batur Trekking verbringen wollt. Am Fuße des Vulkans liegen einige Dörfer, malerisch gelegen am alten Kratersee. Der größte dieser Orte ist Kintamani. Da es hier außer dem Trekking nicht viel zu tun gibt, entscheiden sich viele Reisende, noch in einem der größeren Orte wie Ubud im Landesinneren oder Lovina an der Nordküste zu übernachten. Dann heißt es natürlich noch früher aufstehen, da noch die Transferzeit von eineinhalb (Ubud)bzw. zwei Stunden (Lovina) hinzukommt. Generell ist es auch möglich, die Tour mit einem Transfer ab einem der großen Touristenorte im Süden der Insel wie Sanur oder Kuta zu buchen, die Transferzeit ab hier ist circa zweieinhalb Stunden. Da ich ein Morgenmuffel bin und das Klingeln des Weckers gerne mal überhöre, entscheiden wir uns dafür, bereits am späten Nachmittag nach Kintamani zu fahren und übernachten in der Lake View Eco Lodge. Die Unterkunft ist nicht luxuriös sondern kann eher als rustikal aber freundlich bezeichnet werden. Was uns gut gefallen hat ist die große Terrasse des Speiseraums. Von dort habt Ihr- der Name des Hotels lässt es vermuten - bereits einen sehr schönen Blick auf die umliegenden Berge und auf den Kratersee. Da der nächste Tag sehr früh beginnen wird und es im Ort und im Hotel ohnehin nicht viel zu sehen gibt, gehen wir früh schlafen, um am nächsten Tag fit für unser Trekkingabenteuer zu sein.

Der Aufstieg zum Gipfel

Um drei Uhr früh klingelt der Wecker. Nach einer kurzen Waschung bleibt zum Glück gerade noch Zeit für einen heißen Kaffee. Unser Hotel ist zum Glück auf Early Bird Trekking Touristen eingestellt: In der Lobby gibt es ein Gerät mit heißem Wasser und einige kleine Tütchen mit Kaffee- und Milchpulver. Nicht gut, aber besser als nichts. Unser Fahrer und Bergführer Kadek wartet schon auf uns. Durch die rabenschwarze Nacht fährt er uns in nur zehn Minuten zum Startpunkt unserer Wanderung am Pura Jati Tempel. Jetzt sind wir froh, dass wir bereits am Vortag angereist sind. Bei einem ein- oder zweistündigen Transfer wäre ich sicher wieder vollständig eingeschlafen und danach entsprechend zerschlagen. Wir befinden uns jetzt bereits auf ca. 1000 Meter Höhe, das heißt, bis zum Gipfel sind noch gut 700 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Ausgestattet mit den praktischen Stirnlampen, die wir von unserem Guide erhalten, beginnen wir unseren zweieinhalbstündigen Aufstieg auf den Gunung Batur. Die erste Hälfte des Wegs ist noch relativ flach und einfach. Am Anfang geht es noch durch einen dunklen Wald. Als wir diesen verlassen, bietet sich uns ein atemberaubender Blick hinauf in den Sternenhimmel. Da es total dunkel ist, können wir, nach dem Ausschalten der Taschenlampe, sogar den Verlauf der Milchstraße sehen. Für mich als Großstadtbewohner immer wieder ein faszinierender Anblick. Auf dem Pfad vor uns erkennen wir noch andere Wanderer, die vor uns aufgebrochen sind, oder genauer gesagt, wir erkennen ihre Taschenlampen, die wie Glühwürmchen den Berg hinauf fliegen.

Der Weg wird steiler

Wir  schalten unsere Stirnlampen wieder ein und folgen ihren schwachen Leuchtkegeln, die den Pfad vor uns etwas erhellen. Schnellen Schrittes geht es weiter, denn wir haben ein Date: pünktlich zum Sonnenaufgang wollen wir auf dem Gipfel sein. Durch die Nähe zum Äquator ist der Sonnenaufgang am Mt. Batur das ganze Jahr über mit nur wenigen Minuten Abweichung immer gegen 6 Uhr morgens. Das erleichtert die Reiseplanung. Der Weg wird steiler und das Gehen anstrengender. Wie immer bei Bergwanderungen auf Vulkanen, müssen wir über rutschige Vulkanasche und spitzes Vulkangestein balancieren. Das erfordert viel Aufmerksamkeit und Konzentration, besonders, wenn die Stirnlampe immer nur den unmittelbar vor einem liegenden Wegabschnitt ausleuchtet. Insgesamt aber kann ich die offiziellen Angaben der Anbieter bestätigen, dass der Aufstieg auch für ungeübte Wanderer mit der Kondition eines Gelegenheitsjoggers ganz gut zu bewältigen ist. Auf jeden Fall ist es ratsam, langsam zu gehen und Energie zu sparen. Ganz langsam beginnt ebenfalls die Morgendämmerung, ein erstes schwaches Licht durchdringend die schwarze Nacht und die Konturen von Menschen, Felsen und Pflanzen in der Umgebung lassen sich erkennen. Nach unten schauend, erkennen wir einige Lichter, in den gerade erwachenden Dörfern am Fuße des Berges. 

Ankunft am Gipfel

Auf dem Gipfel angekommen, erkennen wir eine kleine Hütte, in der die Bergführer der anderen Reisegruppen bereits dabei sind, das Frühstück vorzubereiten. Unser Guide Kadek ist zum Glück gut vernetzt mit seinen Kollegen und so erhalten wir ganz schnell einen Plastikbecher mit dampfendem, heißen Kaffee in die Hand gedrückt. Das tut gut. Auch wenn es auf Bali tagsüber 30 Grad heiß ist, kurz vor Sonnenaufgang auf 1.700 Meter Höhe ist ganz schön frisch und wir freuen uns nicht nur über das Getränk sondern auch über die Wärmequelle. Während wir unseren Kaffee genießen, taucht die Morgendämmerung die Umgebung langsam in erst grau-blaue und kurz danach leuchtend rote Töne. Der orange-rote Sonnenball lässt nicht lange auf sich warten und steigt aus dem unter uns liegenden Nebel auf. Während es immer heller wird, eröffnen sich uns spektakuläre Ausblicke auf Berggipfel, Seen und Wolken. Wir haben Glück, heute ist es sehr klar, und Kadek erklärt uns die in der Entfernung aus dem Wolken herausragenden Berggipfel: der 2.150 Meterhohe Gunung Abang, der 3.140 Meter hohe Gunung Agung und ganz weit am Horziont sehen wir sogar den auf der Nachbarinsel Lombok liegenden, über 3.700 Meter hohen Gunung Rinjani.

Tanz auf dem Vulkan

Wir haben heute ganz besonderes Glück, denn wir kommen in den Genuss eines Schauspiels, das vielleicht sogar noch spektakulärer als der Sonnenaufgang ist, zumindest jedoch diesen auf ganz spezielle Weise perfekt ergänzt. Denn zusammen mit uns hat eine Reisegruppe aus einem der vielen Yogazentren Balis den Weg hinauf auf den Gunung Batur gefunden und begrüßt den jungen Tag mit einer besonderen Performance. Zugegeben, ich bin kein sehr spiritueller Mensch und finde in der Regel nur schwer Zugang zu dieser Art von Aktivitäten. Aber es ist schon sehr beeindruckend, mit welcher Hingabe und Leidenschaft die Yogis mit Meditationstänzen und gesungenen Mantras die aufgehende Sonne willkommen heißen. Auch wenn das Didjeridoo, das Instrument der Aborigenes, meines Wissens nach nicht zu den traditionellen Instrumenten der Yoga Shantis gehört, verleiht sein Klang der Performance in der Morgendämmerung eine besondere Würde. Bali ist im Prinzip ja auch eine dem australischen Kontinent vorgelagerte Insel. Auch scheinen die Yogatänze gut gegen die Kälte des Morgens zu sein. Ich zumindest hätte, Barfuß und mit nacktem Oberkörper die Sonne begrüßend, sicher am nächsten Tag gleich "Rücken". Was aber vielleicht auch mit dem Alter zu tun hat. Wie auch immer: Ein wahrhaft besonderes Erlebnis in einer spirituellen Umgebung.

Frühstück und Namenskunde

Nach diesen beeindruckenden Natur- und Kultur Performances spüren wir unsere knurrenden Mägen und sind froh, dass die Guides in der Zwischenzeit das Frühstück vorbereitet haben. Neben starkem Kaffee und Sandwiches steht auch ein spezielles Vulkanfrühstück auf dem Speiseplan. Unser Guide Kadek zeigt uns zwanzig Meter hinter der Hütte einen Felsspalt im Vulkangestein, aus dem heißer Dampf heraussteigt. In diesem natürlichen Lavaofen kochen die Bergführer auf sehr ökologische, da Energie sparende Weise Eier und Bananen. Mit diesem Wissen schmeckt uns unser besonderes Vulkanfrühstück gleich noch besser. Während des Frühstücks kommen wir mit unserem Guide ins Gespräch. Eine Frage beschäftigt uns schon, seitdem er sich in der Nacht vorgestellt hat. Er ist bereits unser dritter Guide auf Bali mit dem Namen Kadek. Auf unsere Frage hier zu, erklärt er uns, dass die Hindus auf Bali und Lombok ein einfaches System für die Vornamen ihrer Kinder haben. Anhand des Vornamens lässt sich für jeden Einheimischen sofort erkennen, welcher Kaste die Familie angehört und das wievielte Kind der Familie es ist. Das Kastensystem hat für die Hindus auf Bali- im Gegensatz zu den Hindus in Indien - heute so gut wie keine Bedeutung mehr. Wir erfahren jedoch, dass Kadek übersetzt so viel wie "kleiner Bruder" bedeutet. Deshalb tragen viele "zweitgeborene" Kinder diesen Namen. Kadeks älterer Bruder hingegen heißt, wie viele andere "erstgeborene" Kinder "Wayan", was übersetzt einfach "der Älteste" bedeutet. Ob die Tatsache, dass mehrere unserer Guides anscheinend zweitgeborene Kinder sind, damit zu tun hat, dass die älteren Brüder das Geschäft des Vaters übernehmen und den jüngeren Brüder nichts übrig bleibt, als im Tourismus zu arbeiten, haben wir an dieser Stelle nicht mehr diskutiert.

Zurück ins Tal

Nach dem Frühstück, so gegen acht Uhr, brechen wir wieder auf und machen uns an den Abstieg. Wir wählen einen anderen Weg, der zum Teil am Kraterrand enlang führt. Der Weg ist teilweise ziemlich schmal und fällt an beiden Seiten steil ab. Wir sehen die noch frischen Lavafelder vom letzten Ausbruch im Jahr 2000. Insgesamt ist der Abstieg weniger anstrengend als der Aufstieg, auch wenn der Weg über loses rutschiges Lavagestein ganz schön in die Oberschenkel geht. Unterwegs gibt es immer wieder beeindruckende Ausblicke in alle Richtungen, auf Kraterseen, Berggipfel und auf die bizarren Gesteinsformationen, die der erkaltete Lavastrom sehr kunstvoll erschaffen hat. Nach knapp zwei Stunden sind wir zurück an unserem Ausgangspunkt. Auf dem Weg zurück ins Hotel machen wir noch einen Stopp an einem lokalen Schwimmbad, das, wie wir feststellen, aus einem von den heißen Quellen der Gegend gespeisten Naturpool besteht. Das Wasser ist fast schon zu warm aber trotzdem erfrischend. Während wir uns den Vulkanstaub von den Körpern waschen und unsere Muskeln entspannen, haben wir Gelegenheit, nochmal die Ereignisse des Morgens Revue passieren zu lassen.

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