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Mein Abend mit der Geisha: Kyoto Tipps

Kyoto Insider Tipps: Geisha Viertel Kyoto

Auf meiner Reise durch Japan hatte ich die besondere Gelegenheit der Begegnung mit einer Geisha. Was ist eine Geisha? Schon das Wort hat etwas Magisches, Mystisches und irgendwie auch etwas Verruchtes. Wer kennt nicht die Bilder von den Frauen mit den weiß geschminkten Gesichtern, den aufwendig dekorierten schwarzen Perücken, den kunstvollen Kimonos und den knallrot geschminkten Lippen? Die Kunst der Geishas ist ein wichtiger Bestandteil der japanischen Kultur und Geschichte. Durch Erzählungen, Bücher und Filme (wie z.B. "Memories of a Geisha") wird oft ein verklärtes und auch falsches Bild der Geisha Kultur gezeichnet. Für mich war der Abend im Kyoto Geisha Viertel daher ein wirklich spannendes und beeindruckendes "once in a lifetime" Erlebnis. In meinem Kyoto Reisebericht möchte ich Dir nicht nur von den Geheimnissen der Geisha Kultur erzählen, ich gebe Dir auch einige Kyoto Insider Tipps, wie Du auf Deiner Japan Reise die Begegnung mit einer Geisha arrangieren kannst.

Geisha Kyoto Reisetipps: Mein Abend mit Sakura

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1. Bummel durch das Geisha Viertel von Kyoto

Manchmal ist es ja vorteilhaft, nicht individuell unterwegs zu sein, sondern einen Reiseleiter an der Seite zu haben, der sich im Land gut auskennt. Dieser hat für unseren letzten Abend in Kyoto einen ganz besonderen Programmpunkt organisiert. Gegen 18 Uhr machen wir uns auf den Weg in den Gion Distrikt - zu einem abendlichen Bummel durch die engen Gassen des sogenannten Geisha Viertels von Kyoto. Wir haben Glück, schon nach einer Viertelstunde sehen wir eine Geisha, wie sie geschminkt und gestylt aus einem Hauseingang tritt und in ein Taxi steigt, um ihren Dienst anzutreten. Unser Reiseleiter erklärt uns die Etikette: Die Geishas haben prinzipiell nichts dagegen, fotografiert zu werden, solange dies diskret und unaufdringlich stattfindet. Unangebracht ist jedoch, sich ihnen mit dem Ziel eines gemeinsamen Selfies an den Hals zu werfen. Auf keinen Fall solltest Du auf der Straße eine Geisha anfassen und auch nicht die Perücke oder den extrem teuren Kimono berühren. Am besten fragst Du höflich, ob Du aus einigen Metern Entfernung ein Foto aufnehmen darfst (was leichter ist, wenn Du in Begleitung eines japanisch sprechenden Reiseleiters bist).


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2. Was ist eine Geisha? Geishas früher und heute

Um gleich mit dem größten Vorurteil aufzuräumen (und auf die Gefahr hin, dass der eine oder andere Leser meinen Reiseblog hier enttäuscht wieder verlässt, weil es keine Sexenthüllungen meiner Japanreise gibt): Geishas sind keine Prostituierten oder Callgirls (Prostitution ist in Japan offiziell verboten)! Früher waren da die Grenzen wohl etwas fließender, und die Abendunterhaltung ging hin und wieder über das gesellige Zusammensein hinaus. Was in der Vergangenheit auch zum verruchten Image der Geishas beitrug: Oft wurde ihr exklusiver Lebensstil von wohlhabenden, sogenannten "danna" finanziert. Im Gegenzug dafür gab es dann eine Beziehung, inklusive Sex. Im modernen Japan haben die Geishas die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu verdienen und benötigen in der Regel keinen "danna" mehr. Doch auch heute gibt es noch "falsche" Geishas, Prostituierte, die den "ungeschützten Markennamen" nutzen, um ihren Stundenlohn zu verbessern. Es heißt, man erkennt diese am vorne geknoteten Kimono. Richtige Geishas lassen diesen, unterstützt mit fremder Hilfe, hinten knoten, was so aufwendig ist, dass dies nur Sinn macht, wenn die Kleidung berufsbedingt nicht mehrfach am Abend aus- und wieder angezogen wird.


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3. Begegnung im Kyoto Geisha Restaurant

Unser Rundgang durch den Gion Distrikt im Geisha Viertel Kyoto endet an einem Restaurant. Unser Reiseleiter ist zum Glück gut vernetzt und kennt den Türsteher. Wir werden durch das Restaurant in den dahinter liegenden Garten geführt. Die langen Tische und die Holzbänke vermitteln eine rustikale Atmosphäre. Das Lokal ist bereits sehr gut besucht, an den Tischen sitzen fast ausschließlich japanische Männer, vor sich jeweils einen großen Krug Bier, so dass man sich fast in einen bayrischen Biergarten versetzt fühlt. Es sind jedoch nur fast ausschließlich Männer: an jedem der Tische hat sich eine Geisha niedergelassen, die ganz offensichtlich jeweils der Mittelpunkt der dortigen Unterhaltung ist. Es wird gesungen, gelacht und die Bierkrüge klingen bei jedem Schluck mit einem fröhlichen "Kampai" aneinander.

 

Heute gibt es noch geschätzt 100-200 aktive Geishas, offizielle Zahlen scheinen nicht zu existieren. Das Zentrum der Geisha Kultur ist Kyoto, hier gibt es auch das offizielle Geisha Viertel "Hanamachi" (Blumenviertel). Übersetzt ins Deutsche bedeutet Geisha ungefähr "Künstler" oder genauer "Kunsthandwerker", was es ganz gut trifft.

4. Kyoto Reisetipps: Konversation und Trinkspiele

Geishas sind hoch gebildete und jahrelang ausgebildete Unterhalterinnen. Sie sind Gesellschafterinnen bei privaten Partys, Abendessen und Banketten. Geübt in der Kunst der Konversation, im Tanz, der Poesie und der Musik. Viele spielen das traditionelle Streichinstrument "shamisen". Zu den Unterhaltungskünsten im Geisha Viertel Kyoto gehört aber auch die Initiierung der berüchtigten japanischen Trinkspiele.

 

Mittlerweile hat sich auch eine der anwesenden Geishas an unseren Tisch gesetzt und zu uns gesellt. So dass wir die Kunst der japanischen Trinkspiele gleich im Liveexperiment erleben können. Was ich bei unserer Begegnung mit der Geisha in der nächsten Stunde ebenso erfahre - soweit das aufgrund der Sprachbarrieren (Fremdsprachen gehören nicht zur traditionellen Geisha Ausbildung) möglich ist: sie ist amüsant, witzig und charmant. Und flirten gehört tatsächlich auch zur traditionellen Geisha Kunst. Ein weiterer Grund, dass die Grauzone zwischen Unterhalterin und Sexdienstleisterin vielleicht von manchen Besuchern falsch interpretiert wird.


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5. Kyoto Tipps: Geisha, Maiko, Geiko und Geigi

Unsere Gesellschafterin im Biergarten hat sich mittlerweile mit dem Namen Sakura vorgestellt. Was übersetzt Kirschblüte bedeutet. Ich denke mir, dass das ein Künstlername ist, traue mich aber nicht, sie das zu fragen (vielleicht ja nach dem nächsten Trinkspiel?). Es gibt verschiedene Namen für die Geishas, was ich etwas verwirrend finde. Unsere Gesellschafterin Sakura erklärt uns aber geduldig die Unterschiede: Im Westen Japans, besonders im kulturellen Zentrum um Kyoto, heißen die Geishas "Geiko", was gleichzeitig ein Qualitätsprädikat für die besonders gute und strenge Ausbildung hier ist, wie Sakura uns nicht ohne Stolz erklärt. In Tokio heißen die Geishas hingegen "Geigi". Eine Maiko ist eine junge Geisha während der langen Ausbildung. Heute starten die Maiko mit 16-18 Jahren, sie leben dann in speziellen, "okiya" genannten Geisha Häusern, also so etwas wie ein Internat. Ihr erkennt die Meiko Azubinen daran, dass sie keine Perücken sondern ihr eigenes Haar tragen. Ihre Kimonos sind bunter und auffälliger als die der Geishas, genauso wie ihr Haarschmuck. 


6. Kyoto Insider Tipps: Begegnung mit einer Geisha in Kyoto

Die schlechte Nachricht: Es ist nicht ganz einfach, einer Geisha näher zu begegnen! Geishas bieten Ihre Unterhaltungskünste normalerweise in traditionellen Teehäusern (ochaya) und Restaurants (ryotei) im Geisha Viertel Kyoto an. Dort kannst Du aber nicht einfach so hingehen. Zutritt in diese exklusiven Etablissements erhältst Du nur auf persönliche Einladung und Empfehlung. Mittlerweile gibt es aber Reisebüros und Hotels, die dies gegen entsprechende Bezahlung organisieren können. Ein Treffen mit einer Geisha ist sehr teuer, sie wird pro Stunde bezahlt, ein Abend kostet schnell mal 50,000 bis 70.000 Yen (400 bis 500 EUR), zuzüglich der Kosten für das Essen und die Getränke, sowie die eines eventuellen Übersetzers (der bei der Konversation dann sehr hilfreich ist). Wenn das außerhalb Deines geplanten Budgets liegt, und wenn Du wie ich das Glück hast, im Juli oder August in Kyoto zu sein, mache es wie wir und besuche zwischen 18-22 Uhr den Biergarten des Kamishichiken Kaburenjo Theatre. Hier geht es zwar nicht so exklusiv zu, wie in einem ochaya, wir haben die Begegnung aber dennoch als ziemlich authentisch empfunden. Und außer unserer kleinen Reisegruppe waren nur einheimische Japaner dort. Es scheint (oder schien?) also noch so etwas wie ein Geheimtipp zu sein. Wer zumindest einen Blick auf eine echte Geisha erhaschen will: Laufe durch Kyotos Distrikte Gion Kōbu, Ponto-chō, Kamishichiken, Gion Higashi oder Miyagawa-chō. Kommst Du nicht nach Kyoto, kannst Du in Tokio in den Vierteln Shimbashi, Asakusa, und Kagurazaka Dein Glück versuchen.

Eine weitere Möglichkeit, etwas über die Geisha Kultur zu erfahren ist der Besuch einer Show im Gion Corner im Geisha Viertel Kyoto. In der einstündigen Vorführung gibt es Geisha Tanz- und Musikdarbietungen. Ich war selbst nicht dort, stelle mir das aber etwas touristisch vor. Das Gion Hatanaka Ryokon organisiert ebenfalls Geisha Abende in Kombination mit einem Abendessen. Zwischen den Vorführungen gehen die Geishas von Tisch zu Tisch und unterhalten sich mit den Gästen, so dass der Kontakt hier etwas persönlicher ist. Anlässlich von besonderen Festen werden ebenfalls Geisha Tanz- und Musikabende angeboten. Wenn Du also während des Miyaki Odori (April), des Kamogawa Odori (Mai) oder des Gion Odori (1-10 November) in Kyoto bist, kannst Du versuchen, über Dein Hotel Karten für eine diese Vorstellungen zu ergattern. Hier einige Tipps für vorausbuchbare Touren: Stadtrundgang Kyoto mit Spaziergang durch den Geisha Distrikt Gion*. Abendessen in Kyoto mit Maiko Vorstellung*. Gion bei Nacht: Geisha Vorführung mit Abendessen*. 

 


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7. Falsche Geishas oder "die Jugend trägt wieder Tracht"

Wir waren während des Sommerfestivals in Tokio, zu dessen Anlass sich besonders die jungen Leute gerne in traditionelle japanische Gewänder hüllen und über die Straßen und Plätze flanieren. Was mich ein bisschen an München während der Oktoberfestzeit erinnert hat. Das sind dann natürlich keine richtigen Geishas aber es gibt immerhin ein paar lustige Fotomotive. Wenn alle Stricke reißen und Ihr weiblich oder in weiblicher Begleitung seid: Sowohl in Tokio als auch im Geisha Viertel Kyoto gibt es spezielle Studios, in denen Touristinnen sich in Geishas verwandeln können (fragt nach einem "maiko henshin" Studio). Das Arrangement dort ist inklusive aufwendigem Makeup, Leihkimono und einem Fotoshooting auf einem der öffentlichen Plätze der Stadt. Was sicherlich Geschmacksache ist. Aber wenn japanische Touristen in Lederhose und Dirndl das Oktoberfest in München bevölkern, warum nicht auch umgekehrt?


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8. Geisha Kyoto Tipps: Domo arigatou, Sakura

Wir benötigen ein solches Makeover jedoch nicht, haben wir doch im Geisha Viertel Kyoto unsere echte Geisha "Kirschblüte" kennengelernt, die am Ende des Abends alle Teilnehmer unserer kleinen Reisegruppe in ihren Bann gezogen hat. Übrigens inklusive der weiblichen. Sakura ist während der ganzen Zeit sehr professionell. Sie selbst trinkt nur Wasser, und macht, wo notwendig, auf sehr charmante Art die Grenzen ihrer Dienstleistungsbereitschaft deutlich. Alles in allem ein sehr interessanter lauer Augustabend, der uns die mysteriöse Kultur im Land der aufgehenden Sonne wieder ein klein wenig näher gebracht hat. Domo arigatou, Sakura.

Geisha kyoto Tipps: Begegnung mit der Kirschblüte
geisha viertel Kyoto: Begegnung mit der Kirschblüte


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