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Pennsylvania Reisetipps: Besuch bei den Amish People

Strohhüte, Quilts und Pferdekutschen: Mein Amish People Reisebericht

Zum ersten Mal hörte ich von den Amish, als ich im Kino den Film "Der einzige Zeuge" (Original: "Witness") sah. Harrison Ford ist dort in ein Mordkomplott verstrickt und sucht Schutz bei den Amish People. Ich war damals sehr beeindruckt von der traditionellen Lebensweise, der Gewaltfreiheit und dem Gemeinschaftsgefühl der Amish People. Und so war es klar, dass ich die Gelegenheit nutzte, auf meiner Tour von Washington nach Philadelphia einen Abstecher ins Lancaster County, dem Land der Amish People zu unternehmen. Im meinem Reisebericht möchte ich Euch die Kultur und Geschichte der Amish People näherbringen und Euch für Eure eigene Reiseplanung nach Pennsylvania einige Reisetipps mit auf den Weg geben. Am Ende meines Reisebericht über die Amish People findet Ihr meine interaktive Landkarte mit den Adressen der bei den verschiedenen Reisetipps erwähnten Orten und Sehenswürdigkeiten. 

 


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1. Zeitreise in die Vergangenheit

Lancaster liegt im Herzen von Pennsylvania, ca. 2,5 Autostunden von Washington und 1,5 Stunden von Philadelphia entfernt. In der ländlichen Region um Lancaster lebt die älteste und größte Amish Gemeinde der USA. Ein Besuch hier ist eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. Lancaster selbst ist eine moderne, amerikanische Stadt mit Shopping Malls, Tankstellen und Fast Food Ketten. Wenn Ihr aber außerhalb der Stadt übers Land fahrt, seid Ihr im Amish Land: schwarze, von Pferden gezogene Kutschen; Männer mit Strohhüten, die auf den Feldern arbeiten; Frauen in langen weiten Röcken auf dem Weg zum Markt und Kinder mit eigentümlichen Fortbewegungsmitteln - halb Fahrrad, halb Roller.

2. Amish People - Einwanderer aus der Schweiz

Die Amish People sind streng religiös und richten ihr gesamtes Leben am Neuen Testament aus. Nachdem sie sich unter ihrem Anführer Jakob Amman (von dessen Nachnamen die Bezeichnung Amish kommt) von den weniger konservativen Mennoniten abgespalten hatten, wanderten die Amish People ab der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts- hauptsächlich aus der Schweiz und Baden -in die USA aus. Pennsylvania versprach ihnen Religionsfreiheit, und so siedelten sie sich im Lancaster County an. Heute gibt es noch ca. 300.000 Amish People in über 30 der amerikanischen Bundesstaaten, ca. 35.000 von Ihnen leben in Pennsylvania.

3. Besuch einer Amish Farm

Eine gute Gelegenheit, etwas über die Kultur der Amish zu erfahren, ist die Besichtigung einer Amish Farm. Dies sind zwar eher gut organisierte Museen und keine wirklich von Amish bewohnten Farmen, sie vermitteln dennoch einen guten ersten Einblick in das Leben der Amish. Und die älteren Damen, die Euch durch das Haus führen, sind mit Herz und Leidenschaft bei der Sache und wissen viele Geschichten aus dem Leben der Amish zu berichten. Die Führungen dauern ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde. Im Anschluss habt Ihr Gelegenheit, noch auf eigene Faust das Farmgelände zu erkunden. Gut gefallen haben mir das "Amish Farm & House" (2395 Covered Bridge Drive, Lancaster) und das "Amish Village" (199 Hartman Bridge Road, Ronks). Beide Farmen sind täglich bis 17 Uhr geöffnet und der Eintritt beträgt ca. 10 Dollar.

4. Amish People - Leben ohne Auto und Internet

Die Amish People lehnen das moderne Leben ab und übernehmen Neuerungen nur nach langen, intensiven Entscheidungsprozessen. Mit der Zeit haben sich dabei verschiedene Ausprägungen herausgebildet, von ultra konservativen Gemeinden der "Old Order" bis zu solchen mit moderateren Regeln der "New Order". Statt Autos und Traktoren nutzen die meisten Amish von Pferden gezogene Kutschen. In ihren Häusern haben sie kein elektrisches Licht, keinen Strom, keine Fernsehgeräte und Radios und kein Internet. Das Telefon gehört seit einiger Zeit zu den Kompromissen der Modernisierung, jedoch nur außerhalb der Häuser, in extra errichteten Telefonhäuschen. Ebenso gibt es mittlerweile Waschmaschinen und andere mit Propangas oder Dieselmotoren angetriebene Geräte. Die Amish nutzen Busse und Züge, fahren auch in Autos mit, sitzen jedoch niemals selbst am Steuer. Fliegen ist für alle Amish tabu. Verboten sind auch Fotos und Kameras, sie verführen zur Eitelkeit. Aus diesem Grund sollten wir als Touristen auch besonders taktvoll beim Fotografieren sein. Die Amish verstehen moderne Technik nicht per se als Teufelswerk, wie oft behauptet. Sie sind jedoch überzeugt, dass Errungenschaften wie Automobilität und Computer schlecht für das Familienleben und den Zusammenhalt der Gemeinde sind. Womit sie mit Blick auf die Generation "Handy" und "World of Warcraft" nicht ganz unrecht haben.


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5. Gottesdienst als Mittelpunkt des Gemeindelebens der Amish People

Obwohl die Amish People amerikanisch sprechen, reden sie untereinander und besonders in den Gottesdiensten "Pennsylvania Dutch", ein alter deutscher Dialekt. Die drei bis vierstündigen Gottesdienste, die jeden zweiten Sonntag stattfinden sind Mittelpunkt des religiösen Gemeindelebens. Ihr werdet jedoch vergeblich nach Kirchen der Amish suchen. Das religiöse Leben findet in ihren Häusern und Scheunen statt, wo sich Gemeinden von 150 bis 200 Gläubigen abwechselnd bei den verschiedenen Familien treffen. Zu diesem Anlass werden dann die Küchen ausgeräumt, Trennwände verschoben und die Kirchenbänke der Gemeinde auf einem speziell dafür geschaffenen Wagen vom vorigen Ausrichter des Gottesdienstes zum nächsten weiter transportiert. Nach dem Gottesdienst veranstaltet dann die Gastgeberfamilie für die gesamte Gemeinde ein üppiges Sonntagsmahl.

6. Lunchen wie die Amish People

Apropos üppiges Mahl. Zu Eurem Besuch in Amish Land gehört natürlich ein typisch, deftiger Amish Lunch. Auf dem Speiseplan stehen frisches Gemüse, Kartoffelstampf, Knödel, Rühreier, Würste, selbstgemachter Käse und frisch gebackenes Brot. Beim Blick auf die Speisekarte bekam ich einen Hunger, wie nach einem langen Tag Arbeit auf dem Feld. Empfehlen kann ich Euch das Good'n Plenty Restaurant (150 Eastbrook Rd, Smoketown) und Miller's Smorgasbord (2811 Lincoln Highway, East Ronks). Beide füttern zwar auch Busladungen mit Touristen ab, haben aber auch einen netten Restaurantbereich für Individualtouristen. Draußen vor dem Restaurant gibt es auch einige Bänke, wo Ihr Euer Lunch in der Sonne genießen könnt.

7. Die Zeit des "Rumspringe"

Die Amish People sind "Gläubigentäufer", d.h. erst im Erwachsenenalter entscheiden sie sich für ihren Glauben und das Leben als Amish. Für die Zeit zwischen Schulzeit und Taufe, haben sie dabei ein eigenes Wort: "Rumspringe". In dieser Zeit, bei uns als Spätpubertät bekannt, werden den jungen Amish große Freiheiten eingeräumt. Besonders die jungen Männer ziehen zum Feiern durch die Städte und machen Erfahrungen mit Alkohol und Drogen. Viele kleiden sich modern und erwerben den Führerschein. Sogar vorehelicher Sex wird toleriert. Die Strategie scheint aufzugehen, viele der jungen Amish kehren nach dieser Sturm- und Drangphase dem modernen Leben wieder den Rücken und kehren in ihre Gemeinde zurück. Nur wenige entscheiden sich dafür "english" zu werden - wie die Amish alle anderen Amerikaner nennen. Wer sich dann aber, nachdem getauft, nicht an die strengen Regeln hält, wird "shunned", das heißt exkommuniziert. Er muss die Gemeinde verlassen und darf nicht mal mehr mit seinen Verwandten am gleichen Tisch sitzen. 

8. Amish People und Familie

Das Familienleben ist für die Amish People aber von hoher Wichtigkeit. Sie heiraten früh, meist bald nach der (Erwachsenen-) Taufe mit 18 bis 20 Jahren und haben dann oft fünf bis zehn Kinder. Die Kinder gehen nicht auf staatliche Schulen, sie werden zuhause von den Eltern und ledigen Gemeindemitgliedern unterrichtet, bis sie mit 14 oder 15 Jahren ihre Rollen im Haushalt und der Landwirtschaft übernehmen. Die Landwirtschaft bildet ihre wirtschaftliche Grundlage. Es ist den Amish jedoch auch gestattet zu handeln. Sie verkaufen ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf den Märkten der Umgebung, um mit dem Geld die Dinge zu erwerben, die sie nicht in Eigenversorgung organisieren können.


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9. "Bird-in-Hand-Market" und "Central Market"

Eine gute Gelegenheit, die sehr zurückhaltenden Amish etwas näher kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ist der Besuch eines Marktes. Der größte Markt der Gegend ist der "Bird-in-Hand Farmers Market" (2710 Old Philadelphia Pike (Rt.340). Hier treffen sich Mittwochs, Freitags und Samstags zwischen 830h und 1730h Amish People und "Engländer" und verkaufen ihre landwirtschaftlichen und handwerklichen Erzeugnisse. Eure Kamera solltet Ihr hier jedoch sehr zurückhaltend benutzen. Es gibt circa 30 Verkaufsstände, die frisches Fleisch, Milchprodukte, Backwaren und selbstgemachte Limonaden verkaufen. Im Angebot gibt es auch Quilts, Blumen, Holzspielzeug und Lederwaren. Dienstags und Freitags (6-16h) sowie Samstags (6-14h) findet der "Central Market" in der Markthalle der Innenstadt von Lancastser statt (23 North Market Street) Hier gibt es ein ähnliches Angebot wie auf dem "Bird-in-Hand Market". Der Central Market ist aber viel größer, es gibt mehr als 60 verschiedene Verkaufsstände. Der Besuch lohnt auch bereits wegen der schönen alten Markthalle aus dem Jahre 1889.

10. Amish People und Krankenversicherung

Amish lehnen Versicherungen, auch Krankenversicherungen ab (sie sind von "Obama Care" per Gesetz freigestellt). Viele Krankheiten werden in Selbstversorgung durch homöopathische Anwendungen behandelt, in einigen Gemeinden gibt es noch "Brauchdoktoren", die ihre Patienten durch Gebete und "Wegsprechen" behandeln. Bei ernsthaften Erkrankungen, die eine Operation oder einen Krankenhausaufenthalt unumgänglich machen, sammeln die Amish im Sonntagsgottesdienst ihrer Gemeinde - wenn nötig auch in Nachbargemeinden - das notwendige Geld. Durch den eingeschränkten Genpool der nur untereinander heiratenden Amish sind durch Gendefekte ausgelöste Erbkrankheiten ein größer werdendes Problem.


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11. Die Kleidung der Amish People

Die Kleidung der Amish ist schlicht, jegliche individuelle Ausprägung führt zu Eitelkeit und ist daher verpönt. Die Kleidung hat keine Knöpfe und Reißverschlüsse, erlaubt sind Ösen und Haken, Männer tragen Hosenträger. Frauen tragen lange, knie- bis knöchellange Kleider in bunten Farben und eine Schürze. Das Haar wird nicht geschnitten sondern unter einer Haube hochgesteckt. Männer tragen Filzhüte, im Sommer und bei der Feldarbeit auch Strohhüte. Verheiratete Männer rasieren sich nicht mehr, die Länge des Bartes lässt daher Rückschlüsse auf die Länge der Ehe zu. Die Kleidung wird von den Frauen selbst genäht. Neben Baumwolle werden heute auch immer öfter Kunstfaserstoffe hierbei genutzt, die strapazierfähiger und pflegeleichter sind.

12. Amish Quilts

Eine weitere typische Handarbeit der Amish Frauen sind die farbenfrohen Patchwork Decken, die "Quilts" genannt werden. Traditionell treffen sich die Amish Frauen zum "Quilt Bee", einem sozialen Event, wo beim gemeinsamen Nähen der Decken aktuelle Neuigkeiten aus der Nachbarschaft ausgetauscht werden. An vielen der Amish Farmen habt Ihr Gelegenheit, einen der schönen Quilts zu kaufen. Wenn ihr sicher sein wollt, einen echten Amish Quilt zu kaufen, achtet auf die Schilder "Quilts sold - no Sunday Sales" - die Amish handeln an Sonntagen nicht. Wenn Ihr Euren Quilt lieber in einem offiziellen Shop erwerben wollt, findet Ihr unten in meiner interaktiven Landkarte einige Adressen von guten Quilt Shops. 

Hier endet unsere kleine Reise durch das Land der Amish People. Auch wenn es nicht so spektakulär zuging, wie im Kinofilm "Der einzige Zeuge", und auch wenn es nicht einfach ist, wirklich in authentischen Kontakt zu den zurückhaltenden Amish People zu kommen - mir hat die Reise in die Vergangenheit sehr gut gefallen und ich hatte die Möglichkeit mehr zu erfahren, über das unbekannte und von Vorurteilen geprägte Leben der Amish People. 


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Landkarte Lancaster County mit Sehenswürdigkeiten

Auf meiner interaktiven Karte vom Land der Amish People findet Ihr die in meinen Reisetipps erwähnten Sehenswürdigkeiten. Beim Klicken auf die Zahl in der Karte erhaltet Ihr erste Infos zur Sehenswürdigkeit. Viel Spaß der Planung Eures Besuchs bei den Amish People! 

1. Amish Farm & House

2. Amish Village

3. Good'n Plenty Restaurant

4. Miller's Smorgasbord

5. Bird-in-Hand Market

6. Lancaster Central Market

7. Smuckers Quilts

8. Village Quilts

9. Quilt Shop at Miller's

10. Country Inn of Lancaster


* Mein Amish People Reisebericht enthält Affiliate Links. Weitere Informationen zu diesem Thema findet Ihr hier.


Hier könnt Ihr Eure Reise zu den Amish People planen*:


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Fragen, Ergänzungen, Anregungen zu meinem Amish People Reisebericht? Ich freue mich über Deinen Kommentar:

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Kommentare: 4
  • #1

    Matsch (Montag, 17 September 2018 16:25)

    Dein Reisebericht ist sehr informativ und interessant. Mein grosses Hobby ist Patchwork. Deshalb auch mein Interesse, mal so eine Gemeinde zu besuchen.

  • #2

    Travel Bloke (Montag, 17 September 2018 18:57)

    Hallo Matsch, danke für Deinen netten Kommentar. Freut mich, dass Dir mein Amish People Reisebericht gefällt. Ich hoffe, Du kannst bald mal nach Pennsylvania reisen und dort weitere Inspiration für Dein Hobby Patchwork finden.

  • #3

    Daniela (Mittwoch, 27 März 2019 11:39)

    Hallo ;) ich Fliege Anfang Mai nach New York und wir wollten uns ein Mietwagen ausleihen um nach Lancaster Country zu fahren. Kann man selbst durch das Örtchen mit dem Auto fahren und hat die Chance die Amish People auf der Straße oder in Ihren Höfen zu sehen? Ich interessiere mich sehr für die Kultur und den Lebensstil der Amish und würde mir gerne auch ein Bild von dem Örtchen machen. Lohnt es sich, gibt es sonst noch Tipps wo man speziell hinfahren kann?

  • #4

    Travel Bloke (Donnerstag, 28 März 2019 13:03)

    Hallo Daniela,
    danke für Deine Nachricht. Ja, genauso habe ich es auch gemacht. Wenn Du außerhalb von Lancaster über die Dörfer fährst, wirst Du viele Amish sehen, z.B. in ihren Kutschen auf den Straßen oder bei der Arbeit auf dem Feld. Die Amish sind aber sehr zurückhaltend gegenüber Touristen, es ist daher nicht leicht, direkt mit ihnen in einen Austausch zu kommen. Gute Möglichkeiten sind wie oben beschrieben, z.B. der Besuch einer der Amish Märkte oder einer der Quilt Shops. Auch beim Besuch einer der erwähnten Amish Farmen wirst Du viel interessantes über das Leben der Amish erfahren. Ich wünsche Dir einen tollen Urlaub und spannende Erfahrungen bei den Amish People.