Ostern in Cusco, Peru

Wo Amerika am katholischsten ist

Die "Plaza de Armas" füllt sich bereits am Nachmittag mit Gläubigen. Aus den umliegenden Bergdörfern strömen die Menschen in Vorfreude auf die österlichen Feierlichkeiten auf den zentralen Marktplatz von Cusco. Wer früh kommt sichert sich die besten Plätze auf den Steinstufen vor der Kathedrale Iglesia de Jesús Maria y José. Noch brennt die Sonne vom wolkenlosen Himmel, und auch in 3400 m Höhe ist es immer noch schön warm. Da freuen wir uns über die alte Frau, die "Mate de Coca" aus einem großen Plastikeimer zum Kauf anbietet. Schnell wird ein Becher in einem zweiten Eimer mit Wasser ausgespült und mit einer Kelle des Coca-Tees gefüllt. Eine willkommene Erfrischung und gut sowohl gegen den Durst als auch gegen die dünne Höhenluft.  

Die Atmosphäre erinnert irgendwie an die Stimmung vor einem Bundesligaspiel. Doch statt bunter Fußballtrikots haben die Schlachtenbummler ihre besten nicht weniger farbenfrohen Sonntagskleider angezogen. Stolz tragen Männer und Frauen ihre Filzmelonen, die typische Kopfbedeckung der Inkas im Andenhochland. Wir kommen ins Gespräch mit unseren Treppenstufennachbarn Pedro und Sofia, die schon am Morgen aus einem Dorf in den Bergen angereist sind, um wie jedes Jahr die Osterfeiern in Cusco zu besuchen. Dass sie wie die meisten Inkanachkommen tief katholisch sind, lässt schon der Name ihres Sohnes vermuten: der vierjährige Jesús klettert aufgeregt auf dem Schoß seines Vaters herum. Mittlerweile wird es dunkel und aus einer Seitenstraße hören wir die ersten Musikklänge der nahenden Osterprozession.

Marienstatuen und Marschmusik

Für uns die erste Überraschung des Abends. Keine harmonischen Kirchenlieder sondern martialische Marschmusik von Trompeten und Pauken hallt über die Plaza de Armas. Fast wie bei einem Schützen- oder Oktoberfestumzug. Von Pedro und Sofia erfahren wir, dass Vereine aus den verschiedenen Stadtteilen den Umzug bilden und schon bald sehen wir eine Gruppe von Feuerwehrmännern an uns vorbeimarschieren. Ein würdevoller Priester schwenkt ein großes Weihrauchgefäß und erfüllt die Luft mit einem dem süßlichen Duft, der einstimmt auf den Höhepunkt der Prozession: Ein von einem guten Dutzend kräftiger Männer getragener riesiger gläserner Sarg mit einer blumengeschmückten Christusfigur zieht langsam an uns vorbei. Ihm folgt eine nicht weniger imposante, mehrere Meter hohe Marienfigur, ebenfalls blumengeschmückt und von einer Gruppe junger Männer auf einem Podest balancierend getragen.

Unser Reisetipp: Neben der großen Prozession im Zentrum Cuscos lohnt es auch einen der kleineren Umzüge anzuschauen. Besonders gefallen hat uns der im urigen Stadtteil San Blas, in den Hügeln nördlich der Plaza de Armas gelegen. Hier geht es weniger pompös aber mindestens genauso leidenschaftlich zu. Auch die Bewohner von San Blas sind stolz auf ihren überdimensionalen Jesus im Glassarg und die blumenbehängte Marienstatue. Während die Prozession langsam durch die engen Gassen schreitet, verfolgen viele Bewohner von den Balkonen ihrer Häuser das bunte Treiben ehrfurchtsvoll und lassen Blumenblätter auf die unter ihnen vorbeiziehenden Figuren regnen.

Die Dunkelheit weicht dem Licht

Alle Prozessionen enden an der Kirche ihres jeweiligen Stadtteils. Vor dem Eingangsportal brennt bereits das knisternde Osterfeuer und der Priester entzündet die große Osterkerze. An dieser wiederum entzünden die Gläubigen ihre kleinen mitgebrachten Kerzen und reichen das Licht immer weiter, so dass nach und nach die Dunkelheit einem Lichtermehr aus Kerzenflammen weicht. Ein starkes Symbol auf einem Fest des Lebens. Auch oder gerade weil uns vieles an diesem Abend fremd erscheint und so gar nicht an unser deutsches Osterfest erinnert, sind wir sehr froh, dass uns der Zufall an diesem Tag nach Cusco führt und wir die Gelegenheit haben, zusammen mit den einheimischen Cuscenos die für sie so wichtige Osternacht zu feiern.

Video: Ostern in Cusco Peru