Reisebericht Montreal Kanada

24h: Mein Tag in ... Montréal

Kanada Montreal Hotel Altstadt
Auberge Bonsecours in der Altstadt

8h: Frühstück im Hotel. Übernachtet haben wir in der Auberge Bonsecours, einem kleinen Bed & Breakfast  mitten in der Altstadt "Vieux Montréal". Gestärkt durch ein leckeres Frühstück mit Café au lait und Croissants (das B&B gehört einem französischen Ehepaar) stürzen wir uns in unseren Tag in Montréal und wollen um 9h zuerst den Hausberg Mont Royal, den "königlichen Berg" erklimmen. In der Nähe der U-Bahnstation Peel St. beginnt ein kleiner Fußweg mit vielen Stufen, der hinauf auf den Berg führt. Der "Berg" hat zwar nur eine Höhe von 233m, trotzdem kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Oben angekommen werden wir aber entschädigt durch einen grandiosen Blick über die Metropole. Die Wolkenkratzer südlich des Bergs symbolisieren den anglo-amerikanisch geprägten Teil des Wirtschaftszentrums, im Osten erstrecken sich die verwinkelten Altstadtgassen der frankophonen Viertel der Stadt. Eingerahmt wird das Stadtpanorama durch den Sankt Lorenzstrom, der sich träge durch die Stadt windet.

Kanada Montreal Downtown Kunst Monument
Kunst zwischen Wolkenkratzern

11h: Auf dem Weg zurück in die Altstadt kürzen wir den Weg ab und laufen über das Gelände der McGill University. Zwischen den altehrwürdigen Gebäuden und gepflegten Parkanlagen fühlt man sich plötzlich versetzt ins englische Oxford. Die McGill Universität ist nicht nur eine der ältesten und renommiertesten Unis Kanadas, sie prägte auch die Entwicklung der typischen kanadischen Sportarten Eishockey, Rugby und Football. Wir laufen weiter durch das Businessviertel der Stadt, geprägt durch die glänzenden Fassaden der Bankenhochhäuser aus Glas und Stahl. Ein kurzer Foto Stopp an einer der vielen beeindruckenden Skulpturen, die überall in der Stadt zu sehen sind. Die Plastik "La foule illuminée" zeigt eine Menschenansammlung aus 65 verschiedenen Personen unterschiedlicher Rassen, Schichten und Alter und symbolisiert die Vielfalt, aber auch die Zerbrechlichkeit der kanadischen Einwanderergesellschaft. Die elfenbeinfarbene Plastik spiegelt sich in den Glasfassaden der umliegenden Hochhäuser - für mich immer wieder eines der schönsten Fotomotive Montreals.

Quer durch die Altstadt "Vieux Montréal"

Kanada Montreal Place Jacques Cartier Altstadt
Auf dem Platz Jacques Cartier in der Altstadt

12h: zurück in der Altstadt Vieux Montréal. Auf dem zentralen Place Jacques Cartier schlägt das touristische Herz des Ortes. Es ist schon einiges los hier. Zwei Jongleure werfen sich treffsicher verschiedene Kegel und Bälle zu, ein Saxophonspieler improvisiert, lässig an eine Hauswand gelehnt, eine Jazzmelodie, und ein Maler portraitiert mit einigen schnellen Strichen die Karikatur eines freiwilligen Passanten auf seine Leinwand. In den den Platz umsäumenden Straßencafés und Restaurant genießen Touristen und Einheimische die Frühlingssonne bei einem Kaffee, einem Eisbecher oder - natürlich typisch französisch- einem vormittaglichen Glas Rotwein. Wüssten wir es nicht besser, würden wir schwören, irgendwo in einer südeuropäischen Kleinstadt zu sein und nicht im Norden des amerikanischen Kontinents.  

Kanada Montreal Altstadt Shopping
Bummel durch die Gassen der Altstadt

Wir schlendern weiter durch die vom Place Jacques Cartier abgehenden Altstadtgassen - übrigens benannt nach dem Entdecker, der 1535 den St. Lorenzstrom  hinaufsegelte und an der Stelle des heutigen Montreals an Land ging. Die alten Häuserfassaden und das Kopfsteinpflaster werden immer mal wieder von amerikanischen Filmproduktionen genutzt, wenn Szenen in Europa gedreht werden müssen, das Budget aber nicht ausreicht, tatsächlich auf dem alten Kontinent zu drehen. Heute wird aber nicht gefilmt, so dass wir ungehindert, vorbei an Cafés, Galerien und Tourishops durch die Gassen bummeln können. 14h: Mittlerweile sind wir auch etwas hungrig geworden und lassen uns in einem der Restaurants zur Mittagspause nieder .

Mit dem Fahrrad entlang des Sankt Lorenz Stroms

Kanada Montreal Restaurant Poutine
Mittagspause mit Poutine

Da wir ja experimentierfreudig sind, und gerne mal die exotischen Speisen der Eingeborenen ausprobieren, wagen wir uns nach einem Blick in die Speisekarte an eine „Poutine“, die typische Montréaler Spezialität und ebenso wie die gesamte Stadt ein franko-amerikanisches Kulturexperiment. Die gewöhnungsbedürftige Kreation besteht aus mit Käse überbackenen Pommes Frites übergossen mit Gravy, einer braunen Bratensoße – einmal zum Probieren überwunden, schmeckt es köstlich! So viele Kohlenhydrate müssen natürlich schnell wieder verbraucht werden, bevor sie sich im Körper als Fettpolster festsetzen. Wir entscheiden uns, den Nachmittag mit einer sportlichen Aktivität zu beginnen. Montreal ist eine Fahrradstadt. An jeder Ecke gibt es eine "BIXI Station", wo Ihr über eine praktische App ein Leihfahrrad anmieten und nach der Nutzung an einer anderen Station in der Stadt wieder abgeben könnt.

Kanada Montreal Fahrrad Sport
Fahrrad to go

Wer keine Lust hat, extra die App herunterzuladen, kann auch unten am Hafen am Atwater Market ganz traditionell ein Fahrrad für einige Stunden anmieten. 15h: Am Vieux Port, dem alten Hafen, beginnt unsere "Tour de Montreal". Auf den gut ausgebauten Fahrradwegen geht es entlang des Sankt Lorenz Stroms. Unsere Fahrt führt uns stromaufwärts zu den Stromschnellen "Rapides de Lachines" und zum See Lac St.-Pierre. Den Stromschnellen verdankt Montreal übrigens seine Existenz. Da es den frühen Entdeckern zu gefährlich war, ihre Boote durch das tobende Wasser zu navigieren, gingen sie notgedrungen an Land und gründeten die Stadt. Nach einer 20 km Rundtour sind wir wieder zurück am Hafen und gönnen uns einen Frozen Yogurt oder besser natürlich einen yogourt glacé... Wer noch genug Energie hat, kann noch einen Abstecher über die Brücke auf die im St. Lorenz liegende Insel "Île Sainte-Hélène" unternehmen - dem Austragungsort des jährlich stattfindenden Formel 1 Rennens. Von dort habt Ihr nochmal einen tollen Blick auf die Skyline der Stadt.

Montreal by Night

Montreal Kanada Restaurant Dinner
Dinner im Studentenviertel

18h: Wir läuten den Abend ein und laufen vom Hafen durch die Altstadt hinauf ins Studentenviertel entlang der Rue St. Denis und der Rue Berri. Hier herrscht eine entspannt alternative Atmosphäre und aus den unzähligen Straßencafés und Kneipen klingt Musik. Die kulinarische Szene der Stadt ist geprägt durch Einwanderer aus Italien, Griechenland und China. So fällt es uns nicht schwer, ein gemütliches Plätzchen im Innenhof eines Restaurants unter einem Kastanienbaum zu finden und lassen uns eine Lasagne schmecken. 21h: Wir schlendern wieder zurück in die Altstadt, wo wir den Abend auf typisch frankokanadische Art ausklingen lassen wollen. Unser Ziel liegt in der Altstadtgasse Rue St. Paul und ist eine "Boite à Chanson".

Montreal Kanada Unterhaltung Abend
Gute Stimmung in der "Boite à Chanson"

Eine „Boite à Chanson“, wörtlich übersetzt "Liederkiste" oder "Liederkarton", ist eine typische frankokanadische Musikkneipe, von denen es einige in der Altstadt gibt.  Eine super Möglichkeit, die besondere Kultur und die von Nationalstolz geprägte Leidenschaft der „Québecois“ hautnah zu erleben. Hier geht es oft etwas rustikal zu, und im Laufe des Abends werdet Ihr - nach dem ein oder anderen Pitcher "Labatt Bleue" (das lokale Bier, im Plastikkrug serviert) - zusammen mit Euren Tischnachbarn Arm in Arm schunkelnd auf den Stühlen stehen und lautstark ein altes französisches Chanson von Francis Cabrel , Paul Piché oder Jacques Brel schmettern. 2h: Ganz praktisch, dass unsere Auberge Bonsecours nur einige Hundert Meter entfernt liegt, so dass unsere 24h in Montréal wieder dort enden können, wo sie am Morgen begonnen hatten. Am nächsten Morgen heißt es "Au revoir" und unsere Fahrt durch Kanada geht weiter. 

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